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Wasser aus ärztlicher Sicht: Balneologie

Erfahrungsmedizin

Erfolgreiche Behandlungen verschiedener Krankheitsbilder in Heilbädern kennen wir aus der Erfahrungsmedizin. Nicht jede Heilquelle ist für jede Krankheitsart gleich wirksam.

Griechen und Römer

In Westeuropa hat die Heilquellenverehrung eine dreitausendjährige Tradition. Schon die griechischen Ärzte kannten die Bedeutung des Wassers in der täglichen Hygiene und den Nutzen der Mineral- und Thermalquellen zu Kur- und Heilzwecken.

In medizinischen Behandlungsstätten wie z.B. dem Asklepion von Kos wurden Bäder aus Thermalquellen eingerichtet. Die Römer errichteten kostspielige Bäderanlagen nördlich der Alpen, so in der Schweiz in Yverdon-les-Bains, Baden, wie auch in Kaiseraugst.

Paracelsus

Mit dem Untergang der Römer ging auch deren Badekultur unter bis Paracelsus Theophrastus von Hohenheim (1494 - 1541) in Pfäfers (in der Nähe von Bad Ragaz) eine innere Heilkraft zuerkannte.

Johann Wolfgang von Goethe

Im späteren Mittelalter begann die Trinkkur der Badekur den Rang abzulaufen. Goethe hat während 1114 Tagen seines Lebens in Badekurorten Mineralwasser getrunken und beschreibt, dass in Karlsbad 20 bis 30 Becher täglich üblich waren.

Erste Ansätze der Bewegungstherapie

Tronchin, ein Schweizer Arzt, erste Ansätze der Bewegungstherapie. Die Brunnenpromenade, das Tronchinieren (Umherwandeln), genannt nach dem Schweizer Arzt Theodor Tronchin (1709 – 1781) darf als einfache Frühform der Bewegungstherapie angesehen werden.

Der Bad Nauheimer Brunnenarzt Friedrich Wilhelm Beneke (1824 – 1882) erkannte die günstige Wirkung von kohlesäurehaltigen Solbädern bei Herzkranken.

Balneologie, Mutter der Rheumatologie

Empirisch als heilkräftig anerkannte Quellen galten vor allem bei den Römern und im Mittelalter als eigentliche Initiatoren der Rheumabehandlung.

Die Balneologie kann also in gewissem Sinne als Mutter der Rheumatologie betrachtet werden.

Viele grosse und bedeutende Rheumakliniken und Rehabilitationszentren in West- und Mitteleuropa liegen in bekannten Badekurorten. Aber auch Erkrankungen der oberen Luftwege, des Herz-Kreislaufsystems, des Magen-Darmtraktes und der Haut wurden und werden in Bäderkliniken behandelt. Nicht vergessen dürfen wir die heilende Wirkung bei gynäkologischen Leiden und Störungen des Hormonstoffwechsels.

Balneologie als Wissenschaft anerkannt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte die Entdeckung der Radioaktivität in einzelnen Heilquellen. Erst nach dem ersten Weltkrieg kam es endlich zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Hochschulärzten und an Badekurorten tätigen Ärzten, was in Deutschland die Errichtung von einigen Lehrstühlen für Balneologie zur Folge hatte.

 
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